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  • Dez. 2020 - Experteninterview mit Martin Hummel, Programm Manager für die weltweite S/4Hana Umstellung bei der Hella KG

Experteninterview mit Martin Hummel, Programm Manager für die weltweite S/4Hana Umstellung bei der Hella GmbH & Co. KGaA

Greenfield oder Brownfield – die Entscheidung bei einer ERP Migration oder Upgrade erscheint, je nach Ausgangssituation, einfach und schnell gefällt. Bei genauerem Hinsehen und auf der Detailebene zeigt sich aber, dass auch die SAP-Welt nicht schwarz–weiß ist.

 

Kommt man aus einer „aufgeräumten“, aktuellen und funktional gut passenden ECC-Welt, liegt der Brownfield-Ansatz, eine rein IT-technische Konvertierung des ECC-Systems auf S/4 on HANA, nahe.

 

Andererseits man wird sich das ganze Projekt lang fragen lassen müssen, ob man sich durch die Übernahme von über langer Zeit „gewachsenen“ Abläufen und Programmierungen nicht um die Chance der Erneuerung gebracht hat.

 

In der Praxis konnten wir bei admoVa mit unseren Kunden feststellen, dass, einmal angefangen, Veränderungen sehr schnell „größere Kreise“ ziehen und aufwändiger werden als geplant. Die Beherrschung der Projektkomplexität, die Fokussierung auf (die richtigen) Prozesse, durchgängiges Changemanagement (auch in der IT) sind wichtige Erfolgskriterien.

 

Lesen sie nachfolgend unser Interview mit Martin Hummel, der bei der HELLA GmbH & Co. KGaA in Lippstadt das Programmmanagement für die SAP S/4Hana Umstellung im Konzern verantwortet.

    

Experteninterview mit Martin Hummel, Hella GmbH & Co. KGaA

Jens Rittscher: Herr Hummel wir kennen uns mittlerweile seit vielen Jahren aus unterschiedlichen Projekten. SAP S/4HANA ist der Nachfolger des bisherigen Kernprodukts von SAP. Das S steht dabei für simple, die 4 für die vierte Produktgeneration und HANA für die zugrunde liegende Datenbanktechnologie. Ist das neue SAP S/4HANA wirklich so revolutionär – wie man liest, oder ist S/4HANA wohl doch eher nur ein „recyceltes Produkt“ im neuen Kleid?

 

Martin Hummel: Auf den ersten Blick muss man die neuen Funktionalitäten tatsächlich suchen. Und ob diese dann immer einen Vorteil bieten wird sich bei uns erst noch herausstellen müssen. Aber ich denke in Verbindung mit der dramatisch gestrafften Datenstruktur, HANA Datenbank, Fiori Apps und der stetigen Weiterentwicklung des Systems kann man schon einiges an Optimierung generieren.

 

Jens Rittscher: Worin liegt aus Ihrer Sicht der Innovationsbeitrag von S/4HANA? Ist dieser eher technisch begründet, gibt es neue Business Funktionen, Prozessunterstützungen („z.B. endlich eine finite Kapazitätsplanung im PP Umfeld (Produktionsplanung)“) oder liegt die Innovation in einer bahnbrechenden Systemperformance?

 

Martin Hummel: Leider konnten wir die „bahnbrechende Systemperformance“ noch nicht live erleben, da wir uns noch in der Umstellung befinden. Aber wir erwarten uns einiges von Realtime MRP und Ad-hoc Reporting.

 

Jens Rittscher: Gleichwohl ist der Umstieg von SAP Business Suite 7 auf S/4HANA mit erheblichen Kosten verbunden. SAP sagt zu, die Mainstream-Wartung für Kernanwendungen der SAP Business Suite 7 bis Ende 2027 bereitstellen und anschließend eine optionale Extended-Wartung bis Ende 2030 anbieten (siehe [1]). Warum sollten z.B. unsere Kunden jetzt umsteigen bzw. sich jetzt mit dem Umstieg beschäftigen?

 

Martin Hummel: Der Umstieg will gut überlegt und vorbereitet werden. Selbst wenn man diesen, aus welchen Gründen auch immer, hinauszögert, sollte man doch stets eine aktuelle Roadmap vor Augen haben, um nicht das böse Erwachen und Torschlusspanik zum Ende hin zu erleben. Wir konnten auch feststellen, dass wenn man wirklich größere Veränderungen in Prozessen und /oder SAP-Landschaft plant, die Konzeptarbeiten doch eine erhebliche Zeit in Anspruch nimmt.

 

Jens Rittscher: Migrationsansätze werden unter Experten mittlerweile über Farben „Green Field“, „Brown Field“ u.a. Farben „codiert“ [2]. Sind diese Farbvergleiche nur ein Marketinginstrument, um technische komplexe Sachverhalte Managementkompatibel darzustellen, oder gibt es echte Differenzierungsmerkmale?

 

Martin Hummel: Aus meinem Verständnis heraus, ohne die praktische Erfahrung in beiden Vorgehensweisen zu haben, sind die Unterschiede auf jeden Fall signifikant. Wir sind gerade mittendrin in einer Brownfield-Umstellung und erleben, dass man das sehr effizient durchziehen kann.

 

Jens Rittscher: Aus unserer Erfahrung gibt es kein „allgemein gültiges Best Practice“, keinen schwarz und weiß Vorgehen für ERP Migrationen /Upgrades. Aber wie beherrscht man im Projekt die Komplexität und den Aufwand der Umstellung?

 

Martin Hummel: Alle Prozesse unterschiedlich oder neu auszurichten wird man nicht durchhalten. Das wird in der Tat einfach zu komplex und zu aufwändig. ABER Mit einer vernünftigen Prozess-Clusterung und der Konzentration auf Prozesse, die den größten Benefit erwarten lassen, denke ich, findet man die richtige Balance zwischen Aufwand und Nutzen.

 

Jens Rittscher: Ein Großteil der deutschen Industrie geht das Thema Migrationsansatz auch auf Empfehlung div. Integrationshäuser technisch an. Dabei wird zunächst die technische Passung des zu migrierenden Systems überprüft, um dann eine Komplexitätseinschätzung des Migrationsprojektes abzugeben. Wie bewerten sie dieses Vorgehen?

 

Martin Hummel: Aus meiner Sicht ist das sehr stark von der Ausgangssituation anhängig. Wenn ich in der Vergangenheit „meine Hausaufgaben“ gemacht habe und ERP-Landschaft und Prozesse stetig weiterentwickelt habe, ist das sicher eine mögliche Vorgehensweise. Leider befürchte ich, dass dies nicht so häufig der Fall sein wird und wir in vielen Fällen vor einer über Jahrzehnte gewachsenen Landschaft stehen. Und dann sollte man aus meiner Sicht, die Chance zum Aufräumen nutzen. Eine rein technische Migration wäre hier zu kurz gesprungen.

 

Jens Rittscher: Sie sind verantwortlich für die S/4 Migration bei einem der größten Automobilzulieferbetriebe, wie war Ihre Vorgehensweise bei der Findung des „richtigen Ansatzes“?

 

Martin Hummel: Ob unserer Ausgangssituation, war die grundsätzliche Stoßrichtung eigentlich schnell klar. Bei uns kommt sowohl Brownfield, als auch Greenfield zum Einsatz. In unseren Greenfield-Bereichen war das Aufwändige den Umfang des Greens und die daraus resultierenden Potentiale zu ermitteln, die weitaus größere Aufgabe. Zum Glück trägt unser Management diesen Ansatz durchgängig mit und unterstützt das Projekt bestmöglich und räumt uns auch die notwendige Zeit ein.

 

Jens Rittscher: Gibt es Fallstricke, auf die man unbedingt achten sollte?

 

Martin Hummel: Wie immer, bei derart großen und komplexen Projekten lauern die hinter jeder Ecke. Ich tue mich schwer, typische Fallstricke für eine S/4-Umstellung zu benennen. Wir haben jede Phase bisher erst einmal durchlaufen.

 

Jens Rittscher: Selbst mit einer „nur technischen Migration sind doch häufig auch prozessuale Änderungen, bzw. Veränderungen der Arbeitsweisen verbunden. Wir bewerten Sie den Stellenwert der Themen „Organisatorischer Change“, „Transformation“ in einem Migrationsprojekt?

 

Martin Hummel: Man sollte die Menschen zu jedem Zeitpunkt des Projektes mitnehmen und sofern möglich und sinnvoll einbinden. Das ist aber sicher nicht S/4-typisch und gilt für jedes große Veränderungs- oder IT-Implementierungsprojekt.

 

Jens Rittscher: Worin liegt aus Ihrer Sicht die Chance bei der Umstellung aus Organisationssicht?

 

Martin Hummel: Eine derart große Veränderung erlaubt natürlich immer, auch in angrenzenden Bereichen oder eben auch bzgl. der Organisation Dinge zu hinterfragen und zu verbessern

 

Jens Rittscher: Damit kommen wir zu einer wichtigen Fragestellung unserer Kunden. Wie ist das optimale Organisationssetup eines solchen Projektes? Ist die Migrationsaufgabe ein reines IT-Projekt oder muss das Projekt nicht doch deutlich näher am Business und damit am Management verankert werden?

 

Martin Hummel: Das hängt sicher von der Vorgehensweise ab. Eine rein technische Konvertierung ist sicher IT-lastiger bedarf aber in den Bereichen der Simplifications, Datenmigration und der Tests auch eine Kombination aus IT und Business. Bei signifikanten Veränderungen in Prozessen muss das Business sogar eine gewisse Zeit in den Driver Seat, obwohl wir von einer IT-Umstellung sprechen.

 

Jens Rittscher: Worin liegt aus Ihrer Sicht der Mehrwert einer Unterstützung des Projektes durch eine eher Value Chain als IT orientierte Prozessberatung wie admoVa?

 

Martin Hummel: Projekte mit einer solchen Tragweite brauchen Know How, Kapazität, Methodik und im besten Fall auch Erfahrung aus vergleichbaren Projekten. Angefangen mit der Kapazität wird von all dem nicht ausreichend zu Verfügung stehen in Unternehmen für derart umfangreiche Umstellungen. Wenn man die Chance zur konsequenten Optimierung nutzen möchte, ob im Rahmen der notwendigen Veränderungen oder auch darüber hinaus, empfiehlt der Blick und die Expertise von außen, um diese „Einmal-Chance“ auch wirklich zu nutzen. Ich habe hier admoVa als einen verlässlichen und kompetenten Partner kennengelernt, der beide Rollen kennt und versteht. Die Rolle der IT und die des Business. Entsprechend hoch sehe ich die Mehrwerte einer Zusammenarbeit für vergleichbare Aufgaben.   

 

Jens Rittscher: Herr Hummel, herzlichen Dank, dass sie sich für dieses Interview die Zeit genommen haben.

 

Das Interview führte unser Partner Dr. Jens Rittscher im Dezember 2020 mit Hr. Martin Hummel durch.

    

Martin Hummel

Nach vielen Jahren in der SAP nahen Organisationsberatung leitet Herr Hummel seit 2018 das Programm Management für die weltweite S/4Hana Umstellung bei der Hella GmbH & Co. KGaA

    

    

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Literatur und Querverweise

[1] https://news.sap.com/germany/2020/02/wartung-s4hana-sap-business-suite-7/
SAP sagt die Wartung für SAP S/4HANA bis Ende 2040 zu. Gleichzeitig wird SAP die Mainstream-Wartung für Kernanwendungen der SAP Business Suite 7* bis Ende 2027 bereitstellen und anschließend eine optionale Extended-Wartung bis Ende 2030 anbieten.Letzte Aktualisierung – 2020-03.12

 

 

 

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